Ein Plädoyer für kleinere, ortsnahe Schulen

Bei meiner Arbeit als Referent des Landesmedienzentrums komme ich immer wieder in verschiedene Schularten, -formen und -klassen. Oft werden in diesen Projekten Klassen miteinander gemischt, bzw. es werden einzelne Schülerinnen und Schüler aus Klassen in z.B. die SMEP-JMS (Schülermedienmentoren Jugenmedienschutz) Ausbildung aufgenommen. Was mich immer wieder erstaunt ist die Tatsache, dass sich sehr oft die Schülerinnen und Schüler selbst aus Parallelklassen nicht kennen, also „nur so vom Sehen“. …für mich eher befremdlich.

Seit nun vielen Jahren lebe ich in einem kleinen Ort, in welchem zum nächsten Schuljahr die weiterführende Werkrealschule mit den Klassen 9 und 10 nun Abschied nimmt. In diesem Ort besteht (zum Glück!) noch die Grundschule weiter.

gemeinfrei – pixabay
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Alle Schülerinnen und Schüler müssen jetzt in größere Schulzentren in den Nachbarortschaften gefahren werden. In den letzten Jahren haben wir in der weiterführenden Schule immer wieder auch für die Gemeinde Projekte unternommen (z.B. der Audioguide zur Luther-Ausstellung). O.k. evt. ist derartiges Engagement verzichtbar und ersetzbar, auf jeden Fall ist es mehr als Schade, dass nun im Ort diese Möglichkeit zum Mitgestalten für Jugendliche fehlt. Die gibt es nun im Nachbarort, wo sich die Schülerinnen und Schüler tagsüber aufhalten. Für den Ort in dem ich lebe ist diese Situation nicht neu, denn Realschülerinnen und Realschüler, Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums fahren schon immer in andere Orte. Hier beobachte ich deutlich, wie einst enge Freunde zu im besten Fall „Bekannten aus der Grundschule“ werden. Ich glaube, für jedes Sozialgefüge in kleineren Orten, bzw. auch in Stadtteilen wäre es mehr als wünschenswert, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen am Prozess des Mitgestaltens teilhaben könnten. Durch die Schulzentren streichen wir diese Option.

Ich sehe in diesem Zusammenhang auch die oft problematischen Situationen, die wir allein den sozialen Netzwerken zuschreiben. Schülerinnen und Schüler sind heute nicht mehr in der Lage einfach mal zum Freund zu gehen. Klar sind die Probleme, die die sozialen Netzwerke erzeugen können, nicht allein die Folge der Schulzentren, jedoch bin ich davon überzeugt, dass ein wesentlicher Faktor für eine extreme Veränderung der Kultur, die Jugendliche entwerfen, auch den Rahmenbedingungen geschuldet ist, die bildungstechnische Standortvorteile sichern sollen. Mehr Lehrer, bessere Ausstattung, mehr Vielfalt, mehr Möglichkeiten… und trotzdem soll individuell gelernt werden, weshalb viele Lehrer zu Berichten beitragen, die Schülerinnen und Schülern helfen sollen effizienter zu lernen. Wäre es in kleinen Schulen (ich denke einfach mal an den Idealfall) nicht viel einfacher, eine echte Feedback-Kultur aufzubauen, die sogar in 360° Feedback münden könnte und das nicht nur auf fachlicher Ebene, sondern noch wichtiger auf sozialer Ebene.

Natürlich denke ich hier nicht kosten-effizient, sondern wünsche mir einfach nur eines: Kinder wachsen an Ihren Orten auf und gestalten diese mit.